Kurztest vom Philips P-line 346P1C Diesen Artikel drucken

 Kurzlink  Kategorie: Hardware, Produkte  Lesezeit: 10 Minuten  Kommentieren
Okt 172020
 

Eine Diagonale von 34″ mit einer Auflösung von 3440 x 1440 bei 100 Hz auf einem VA Panel gewürzt mit HDR, Adaptive Sync und USB-C Docking ergeben den Philips P-line 346P1C.

An sich ist weiterhin 16:9 das meist verbreitete Format bei Computer. Trotzdem sind Ultrawide-Formate, wie eben 21:9 keine Seltenheit mehr. Das war vor vier Jahren beim Artikel Kurztest vom Dell UltraSharp U3415W noch etwas anders. Aktuell gibt es wirklich zahlreiche Produkte am Markt. Die Funktionsvielfalt ist höher und die Preisspanne breiter geworden. Aktuelle Techniken, wie HDR oder Adaptive Sync und Frequenzen über 60 Hz sind auch bei Ultrawide-Monitore verfügbar.

 

Vorentscheidung

Für mich war seit der Nutzung des Dell UltraSharp U3415W klar, es wird kein Monitor mehr mit einem anderen Verhältnis angeschafft. Mittlerweile gibt es kein Spiel mehr, dass nicht mit 21:9 läuft. Selbst viele ältere Titel sind damit lauffähig gemacht worden. Einzige Einschränkungen gilt für Logos und Animationen, die z.B. beim Start eines Spiels gezeigt werden oder bei einigen Videos, mit dem die Spiele die interne Geschichte erzählen. Da kann man weiterhin auf fixe 16:9 stoßen. Somit bleibt links und rechts ein schwarzer Rand.

 

Hierbei habe ich zwei Bilder auf dem neuem Gerät inkludiert. Einmal direkt am Computer erstellt und einmal via Smartphone. Bei letzterem bemerkt man zudem die Krümmung des Widescreen-Monitors und bemerkt leicht die Lichthöfe (= Backlight-Bleeding). Für letztere gibt es bei 21:9 Ultrawide-Monitore immer noch keine vollständige Abhilfe. Das liegt an der eingesetzten Technik und der Krümmung. Erst bei OLED wäre dies wahrscheinlich nicht mehr der Fall. Aber OLED hätte wiederum ganz eigene Nachteile. Jedenfalls sind diese Lichthöfe deutlich leichter gegenüber dem vier Jahre alten 21:9 Ultrawide-Monitors. Trotzdem konnte ich ein übertriebenes Bild erstellen. Dies erhält man jedoch nur, wenn kein Signal mehr anliegt, wo anscheinend der Monitor automatisch komplett die Helligkeit in wahnwitzige Region hochregelt. Im Betrieb bei Spielen konnte ich das zum Glück noch nicht beobachten.

Zurück zur Technik des Neugerätes. Hier wollte ich unbedingt eine deutlich aktuellere Funktionsausstattung. Dazu gehört klarerweise Adaptive Sync bzw. bei AMD FreeSync und bei Nvidia G-Sync bezeichnet. Dabei wird die Bildwiederholfrequenz des Monitors an den ausgebenden Grafikprozessor angepasst. Das Ergebnis sind weniger Ruckler bzw. Zerreisen des Bildes sowie eine geringfügig höhere Reaktionszeit.

Idealerweise wird dies ergänzt mit der Möglichkeit mehr als 60 Hz bzw. später im Spiel mehr als 60 fps zu nutzen. Aktuell gibt es Monitore die bis zu 280 Hz schaffen. Grundlegend ist der Unterschied zwischen 60 und 120 Hz bemerkbar. Zwischen 120 Hz und 240 Hz ist aber der Unterschied nicht mehr im gleichen Verhältnis wahrnehmbar – wobei, womöglich merkt man überhaupt keinen Unterschied mehr 😉 . Bei Ultrawide-Monitore sind die Maximalwerte aufgrund der Bauart und daraus aktuell resultierende, technische Begrenzungen weit geringer. Aber auch da sind schon Geräte mit 144 Hz verfügbar.

Perfektioniert wird dies durch die Unterstützung eines  High Dynamic Range Video Format. Dieses Format ist weit verbreiteter bei Fernseher, wo viele Varianten wie HDR10 oder Dolby Vision verfügbar sind. Unter Windows 10 ist HDR10 verfügbar – genau genommen VESA HDR400, HDR600 und HDR1000. Ist nicht ganz dasselbe, aber Videos werden vom System mit HDR10 verarbeiten. Bei Spielen ist diese Technologie noch relativ neu – zumindest am Computer, den bei Konsolen ( Xbox One X) findet man diese Technologie schon etwas länger vor. Unter Windows ist weiterhin nicht jedes Spiel kompatibel, aber laut PC Gaming Wiki gibt es doch schon eine beachtliche Anzahl an Titel. Darunter Borderlands 3 oder Flight Simulator 2020.

 

Abschließend ist für mich noch eine Funktion wichtig. Im alten Widescreen-Monitor hatte ich einen KVM-Switch verbaut. Im neuem wollte ich nach Möglichkeit diese Funktion erneut haben. Idealerweise mit USB-C Docking Funktion. Damit kann mit einem einzigen Kabel via USB-C Power Delivery ein Laptop mit Strom versorgt werden und erhält zudem darüber Netzwerk, Maus, Tastatur und weitere Endgeräte. Klarerweise erfolgt damit auch die Videoübertragung zum Monitor.

Der Wunsch nach dieser Funktion und auch die Möglichkeit ist eigentlich erst recht spät entstanden bzw. verfügbar geworden. Dies hatte zur Folge eines Kompromisses – aber dazu später mehr 😛 .

 

Entscheidung und Inbetriebnahme

Am Schluss habe ich nach einigen Ausschlussverfahren zwischen zwei Produkten entscheiden müssen. Dabei hätte der eine Monitor höhere Bildschirmfrequenz und mehr HDR Helligkeit zu deutlich höheren Kosten geboten. Dafür aber gar keine USB-C Docking-Funktion unterstützt. Der KVM-Switch wäre nur als virtuelle Lösung integriert gewesen. Dies ist nach meiner Erfahrung nur für eines gut: sich ständig darüber zu ärgern 🙁 .

Meine Wahl hat schlussendlich zwei weitere Besonderheiten gebracht. Da wäre einmal die Unterstützung von Windows Hello (biometrische Authentifizierungsmöglichkeit) und zum anderen der wirklich sehr geringe Stromverbrauch. Der Philips P-line 346P1CRH ist in der Energieeffizienzklasse A mit einem typischen Verbrauch von 34.1 W gelistet.

Anfang Mai 2020 wurde das Produkt geliefert. Entsprechend genug Erfahrungen konnte ich mit dem Monitor sammeln. Beim Auspacken, Anschließen und der Installation gab es soweit keine Überraschungen.

Die inkludierte Webcam mit Windows Hello Support wurde vollständig von alleine installiert und erscheint im Gerätemanager als “FHD UVC WebCam” und “IR camera”. Funktioniert bei mir reibungslos…

Für den Netzwerkanschluss wird ein “Realtek USB GbE Family Controller” erkannt. Dies ist absolut üblich bei Docking-Station. Alle mir Bekannten der letzten Jahre nutzen diesen Chipsatz. Hier empfehle ich direkt den letztgültigen Treiber von Realtek zu nehmen und nicht den automatisch installierten von Windows zu nutzen. Grundlegend funktionierte der automatisch installierte, aber am Laptop hatte ich nachweisliche Instabilitäten. Hier wurde die Netzwerkverbindung nach einiger Zeit bzw. bei Last getrennt und konnte erst nach einem Neustart wieder genutzt werden. Mit dem aktuellen Treiber von Realtek ist dieses Phänomen nie mehr aufgetaucht.

 

Konfiguration und Optimierungen

In meinem Fall musste ich HDR erst am Monitor aktivieren. Danach wird unter Windows die HDR Funktionalität erkannt und kann global aktiviert werden. Sobald dies durchgeführt wird, wird am Monitor kurz ein HDR-Logo eingeblendet um auf den aktiven HDR-Modus hinzuweisen. Bei jedem erneuten Wechsel erscheint das HDR-Logo.

Von Programmen, wie z.B. der Netflix-App kann der Modus sofort genutzt werden. Entsprechende Videos werden dann mit HDR10 wiedergegeben. Die Windows-Oberfläche selbst ist nicht in HDR verfügbar und wird nur umgerechnet. Das merkt man leider. Unter “Windows HDR-Color Einstellungen” kann diese Umrechnung angepasst werden. Ich habe dabei die Helligkeit etwas zurück geregelt. Leider sieht dies dann etwas blässer aus, als man mit mehr Helligkeit erhält. Bei Nutzung von Word, Excel oder dem Webbrowser ist dies mit weniger Helligkeit viel angenehmer für die Augen (oft hat man da viel weißen Hintergrund 😉 ).

Spiele ohne HDR-Modus sehen eigentlich ähnlich wie zuvor aus. Man kann vielleicht die Helligkeit mehr erhöhen als bei anderen Monitoren. Dies ist aber nicht weltbewegend. Was anderes ist bei Spielen, die HDR unterstützen. Hier konnte ich Forza Motorsport 7, Forza Horizon 4, Borderlands 3 und den Flight Simulator 2020 probieren. Die Möglichkeit HDR zu aktivieren ist im Spiel erst möglich, wenn unter Windows HDR aktiviert wurde. Mit Ausnahme von Borderlands 3 ist dann die Option im Spiel leicht auffindbar und benötigt in den meisten Fällen kein Neustart des Spieles.

Und wie ist nun HDR im Spiel? Direkt im Spiel merkt man nicht sofort etwas – man denkt vielleicht Wow 😮 – hat aber dann eher damit zu tun was man bislang für einen Monitor hatte. Deaktiviert man HDR, dann fällt einem plötzlich die schlechtere Erkennbarkeit oder die geringer Farbkraft auf. Immerhin ist der deutlich umfangreiche Kontrast bei dunklen oder hellen Flächen verschwunden. Da ist plötzlich die Sonne, sofern im Spiel verfügbar 🙂 , dunkler und sieht wie ausgebleicht aus. Nutzer mit Konsole und entsprechende Möglichkeiten werden verstehen was ich meine. Als Vergleich könnte ich für Autofahrer den Unterschied von richtigen Kurvenlicht und normalen Fahrlicht nennen. Erst wenn man wieder zurück auf normales Fahrlicht wechselt, wird man plötzlich etwas bemerken – nämlich fehlendes Licht im Kurvenbereich. So ähnlich ist das hier.

Gerne werden Screenshots auf zahlreichen Webseiten verglichen. Meiner Meinung nach bringt das nur bedingt etwas 🙄 . Wichtiger ist das bewegte Bild – also das Spiel selbst und wie es dort wirkt und für mich liefert es genügend Pluspunkte für die Atmosphäre um nicht mehr darauf verzichten zu wollen.

Leider ist mit HDR nicht nur ein Vorteil inkludiert. Im Spiel verursacht die Nutzung einen geringen Leistungsverlust. Zudem habe ich Spiele, wie den Flight Simulator 2020 erlebt, die mit aktiven HDR instabiler sind. Aber der Flight Simulator 2020 ist sowieso ein ganz eigenes Thema, wo entsprechende eigene Artikel folgen könnten…

Zurück zum Philips P-line 346P1CRH. Denn da gibt es ebenso zwei Nachteile. Sobald der HDR-Modus in Windows aktiviert wurde, werden zwei Funktionen des Monitors, nämlich PowerSensor und LightSensor, deaktiviert. Der PowerSensor erkennt bei Aktivierung ob jemand vor dem Monitor sitzt und regelt damit die Helligkeit des Gerätes. Dazu wird die Umgebung ständig mit einem Infrarotsensor gescannt. Der LightSensor passt die Helligkeit an die Umgebungsbeleuchtung an. Auf beides kann ich eindeutig verzichten…   – achja, den HDR-Modus gibt es nur bei Anschluss via DisplayPort und nicht via USB-C Kabel 😥 .

Apropos USB-C Kabel… – in meinem Fall wurde kein solches mitgeliefert. Ein bereits vorhandenes funktionierte mit mehreren Laptops nicht einwandfrei. So wurden zwar die USB-Geräte oder der Netzwerkanschluss erkannt, aber der Bildschirm blieb schwarz. Ich musste mir ein neues anschaffen. Hier bitte auf “Typ-C 3.1 Gen 2″, “100W Power Delivery” bzw. “10GBit/s für Thunderbolt 3” achten. Dazu der Hinweis: Der Monitor unterstützt kein Thunderbolt 3, aber damit wird die Leistungsfähigkeit definiert mit der der reibungslose Betrieb gewährleistet wird. Es geht um die Bandbreite, die für die Datenübertragung notwendig ist.

Das ist ein guter weiterer Punkt. Der USB-Anschluss kann in zwei Varianten betrieben werden. Einmal USB3.2 als Standard und einmal mit USB2.0. Ich habe mittlerweile auf den USB2.0 Modus gestellt. Damit schafft das Netzwerk laut Herstellerangabe nur maximal 100 MBit/s, wobei ich nach wie vor 200 MBit/s gemessen hatte. Ist hauptsächlich bei großen Dateiübertragungen relevant und mein Netzwerkspeicher schafft im Moment nicht mehr als eben diese 200 MBit/s. Der Vorteil ist meiner Meinung nach wichtiger. Denn bei Verwendung des USB-C Anschlusses zur Bildübertragung gibt es im USB3.2 Modus nur 60 Hz. Im USB2.0 Modus habe ich reibungslos 100 Hz und das bringt viel mehr – selbst wenn man nur Bürotätigkeiten ausführt.

Mit DisplayPort 1.2 gibt es die Möglichkeit den sogenannten Multi Stream zu nutzen. Dafür haben zahlreiche Monitore neben mindestens eine DisplayPort-Eingang einen weiteren DisplayPort-Ausgang. Dort kann man einen weiteren Monitor anschließen und benötigt somit nur einen DisplayPort-Ausgang an der Grafikkarte. Zudem kann im Idealfall das DisplayPort Kabel kürzer sein, da man nur von einem Monitor zum Nächsten gehen muss. Die Technik konnte ich bislang noch nicht selbst austesten. Jedoch eine Warnung für den Philips P-line 346P1CRH. Als Standard wird bei der Option “DP Ausgang Multi-Stream” der Wert “Klonen” angezeigt. Wird nun der Modus auf “Erweitern” umgeschaltet, dann benötigt der Monitor und der Computer / Laptop einen Neustart. Blöd, wenn man den Computer ohne Monitor nicht so leicht herunterfahren kann 😳 .

Achja, ein Laptop via USB-C verbunden kann ebenso DisplayPort Multi Stream nutzen. Im USB2.0 Modus wird für den zweiten Monitor eine höhere Auflösung unterstützt. Mit dem USB3.0 Modus ist man auf 1920 x 1080 begrenzt. Laut Handbuch soll zudem Multi Stream mit HDR nicht funktionieren.

Wie bereits erwähnt wird der Laptop via USB-C ebenso mit Strom versorgt. Der Monitor kann leider nur 90W liefern – ein generelle Grenze, die ich bei zahlreichen Docking-Station lese. Mein Laptop benötigt 100W. Das inkludierte Netzteil liefert eben diese 100W. Wie ist das nun im Betrieb im USB-C Docking-Funktion. Nun, soweit bemerkt, kommt in Windows ein entsprechender Hinweis am rechten Bildschirmeck. Das Aufladen geht langsamer als direkt mit dem Originalnetzteil. Im Betrieb habe ich selbst mit hoher Belastung (Prozessor plus Grafikkarte) kein Entladen bemerkt.

 

Mein Fazit

Die Entscheidung für den Ultrawide-Monitor Philips P-line 34P1CRH war für mich eine gute Wahl. Direkt der erste Betrieb sorgte gegenüber meinem alten Dell Ultrasharp U3415W für positive Überraschung 😎 .  Zwar musste ich Kompromisse bzgl. USB-C Docking-Funktion eingehen. Aber der kleinste HDR400 Standard oder “nur” 100 Hz überzeugen trotzdem. Der neue Monitor ist bereits sehr hell für mich. Da wäre HDR600 oder gar HDR1000 bei der Nähe vor dem Monitor übertrieben. Was anderes wäre es bei Nutzung als Fernseher, wo man generell weiter entfernt sitzt.

Die neuen Möglichkeiten mit Adaptive Sync kann ich mit einer Geforce RTX 2080 reibungslos nutzen. In vielen Spielen erreiche ich bei hohen Details aufgrund der hohen Auflösung und sofern verfügbar des HDR-Modus sowieso selten konstante 100 Bilder pro Sekunde. Wenn, dann hat man vielleicht zu wenig hohe Details eingestellt 😉 . Somit passen die 100 Hz für mich völlig.

Die USB-C Docking-Funktion erfreut sich zahlreicher Nutzung – und das nicht nur mit Laptop. Selbst Tablet und so manches Smartphones kann man nutzen. Die vier USB-Anschlüsse am Monitor sind mehr als bei vielen anderen Monitoren (oft werden nur zwei angeboten). Trotzdem sind bei mir bereits alle belegt.

Die Webcam mit Windows Hello ist ein zusätzliches Highlight, besonders wenn man die biometrische Authentifizierung nicht nur für die Anmeldung, sondern ebenso für die Freigabe auf Passwortlisten oder ähnliches (KeePass, Webbrowser, etc.) nutzt.

Vor vier Jahren habe ich über Begeisterung mit 21:9 Spielen gesprochen. Das kann ich weiterhin bestätigen. Liefert einfach mehr von Allem: mehr Atmosphäre, mehr Inhalt, mehr Information, mehr Erlebnis, …  – eine gute Datenbank über Spiele mit 21:9 ist bei WSGF (Wide Screen Games Forum) zu finden.

 

Gibt es noch Fragen zum Monitor oder zu etwas anderem genannten? Na dann ab in die Kommentare…

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